Der erste Vertriebenentransport aus dem Sudetenland kam vor 75 Jahren am 4. Februar 1946 auf dem Weilburger Bahnhof an. Er war der erste Vertriebenentransport in Hessen. Zusammengestellt wurde der Zug, der aus 40 Viehwaggons bestand, in Kuttenplan bei Marienbad im Egerland. In jedem Viehwaggon waren 30 Menschen mit 50 Kilogramm Gepäck untergebracht. Diesem Transportzug folgten in Hessen noch weitere 294 Züge. Im heutigen Landkreis Limburg-Weilburg kamen vier Züge in Weilburg, drei Züge in Limburg und in Weilmünster dreizehn Züge an.
Aufnahmelager waren in Villmar und in Weilmünster (ehemaliges RAD - Lager). Nach einer Statistik des Hess. Statistisches Landesamt aus dem Jahre 1966 betrug der Anteil der Vertriebenen an der Wohnbevölkerung im Altkreis Limburg 19 Prozent und im ehemaligen Oberlahnkreis 23 Prozent.
23 Prozent waren es in Limburg, je 28 Prozent in Bad Camberg und Kirberg. Weilburg zählte 34 Prozent, in Runkel waren es 29 Prozent und in Löhnberg 28 Prozent.

Die Vertreibung der Sudetendeutschen und der Deutschen in den einstigen deutschen Provinzen östlich von Oder und Neiße sowie in Ungarn wurde bei der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 5 August 1945 von den Amerkanern, Briten und Sowjetrussen beschlossen. Der sog. Transfer sollte "ordnungsgemäß und human durchgeführt" werden. Dem war aber nicht so! Schon 1943 erlangten die tschoslowakische und die polnische Exilregierungen in London von den Westaliierten und von Sowjetrussland die Zusage, nach Kriegsende die Deutschen zu vertreiben.

Aus Anlass der Ankunft des ersten Vertriebenentransportes fand am 4.
Februar 2021 unter dem Kreuz der Vertriebenen auf dem Weilburger Friedhof ein schlichtes Gedenken unter coronabedingten Auflagen statt.
Dabei sagte der UdV Kreisvorsitzende Josef Plahl: "Stellen Sie sich einmal vor: Sie besitzen einen Bauernhof, eine Villa oder eine Fabrik und plötzlich kommt ein Fremder zu Ihnen mit Worten. Dir gehört nichts mehr.
Du hast in ein Hinterzimmer mit deiner Familie zu ziehen und für mich bis zur Vertreibung zu arbeiten. Dann kommst du mit wenig Gepäck ins Lager und wirst in einem Viehwaggon mit dreißig anderen Personen in das Restdeutschland abgeschoben". Diese oder ähnliche Worte, so Josef Plahl, mussten sich unsere Großeltern und Eltern nach dem Kriegsende bis zum Vertreibungstermin anhören.

In der Fremde damals hätten die Heimatvertriebenen nicht verzagt, mit Hoffnung und Vertrauen in die Zukunft hätten sie wieder ein neues Zuhause aufgebaut, meinte Josef Plahl. Er dankte der Vertriebenengeneration für den Wiederaufbau, aber auch den Kommunen sowie den Kirchen für die Unterstützung eines neuen Beginns. Enormes sei damals geleistet worden.

Otto Riedl, Kreisvorstandsmitglied der UdV sagte, der heutige Tag ist ein wichtiger Gedenktag in der Geschichte. Es sei daher wichtig, sich permanent mit der Geschichte auseinander zu setzen. Er nannte 2,4 Millionen Tote, die nach Kriegsende ihr Leben lassen mussten. Vergessen dürfe man nicht die Ausschreitungen gegen Deutsche um den 8. Mai 1945 in Prag, den Brünner Todesmarsch, das Massaker an der Elbebrücke in Aussig und den Untergang der Wilhelm Gustloff. Diese Beispiele waren von Hass erfüllt und zerstörten ein friedliches Zusammenleben. Man müsse die Worte Mutter Theresa beherzigen: "Wir können alle dort wo wir stehen, zu Friedensstiftern und Trägern der Versöhnung werden".

Albrecht Kauschat wies auf die damalige Ökumene hin. Mit einem gemeinsamen Vater unser wurde das Gedenken beendet.

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