Waldbrunn. Angesichts der Mehrung von Wolfssichtungen in verschiedenen Regionen Deutschlands, hat der Mitpächter des Jagdreviers Fussingen, Wolfgang Erler, Ende April zu einem jagdpolitischen Gespräch eingeladen, an dem zahlreiche Jäger, Nutztierhalter und Landwirte teilgenommen haben. Um sich einen Gesamteindruck von der aktuellen Situation zu verschaffen und insbesondere Einschätzungen von Praktikern dazu zu hören, waren auch der Arbeitskreis Umwelt der CDU-Kreistagsfraktion zusammen mit dem Fraktionsvorsitzenden Christian Wendel und dem Parlamentarischen Geschäftsführer Andreas Hofmeister MdL bei dem Gespräch zu Gast.

Der CDU-Arbeitskreis beschäftigt sich derzeit intensiv mit der Frage von Wolfssichtungen und insbesondere den damit in Zusammenhang stehenden Herausforderungen. Die CDU-Kreistagsfraktion hat gemeinsam mit der SPD-Fraktion eine entsprechende Anfrage für die Kreistagssitzung am 6. Mai eingebracht. Die Anfrage bezieht sich unter anderem darauf, ob und welche Schritte unternommen werden, wenn ein Wolf in unserer Region gesichtet und wie die zukünftige Geschehensentwicklung beobachtet wird, um in notwendigen Fällen adäquat zu reagieren.

„Noch gibt es keinen residenten Wolf, aber schon jetzt müssen alle Akteure, bei denen durch den Wolf verursachten Schäden zu rechnen ist, informiert und beteiligt werden“, so der Sprecher des Arbeitskreises Umwelt, Tobias Grän. „Angesichts der starken Frequentierung des Waldes als Nah- und Erholungsraum, der nicht nur von Joggern und Spaziergängern genutzt wird, sondern wo nun in fast allen Kommunen zunehmend Waldkindergärten eingerichtet werden, werden sich Begegnungen zwischen Menschen und Wolf nicht verhindern lassen“, schlussfolgert Grän.

Eingangs machte Wolfgang Erler den Anwesenden deutlich, dass „der Wald das natürliche Habitat des Wolfes ist und sobald er sich dort niederlässt, er zum Überleben seine natürlichen Beutetiere – insbesondere Tiere aus der Weide- und Nutzhaltung – ins Visier nehmen und dabei auch aufgrund der sich angrenzenden Bebauung von Wohnsiedlungen in die unmittelbare Nähe von Menschen kommen wird, sodass eine Begegnung zwischen Mensch und Wolf unausweichlich ist.“ Weiter informierte Erler, dass „es selbst für uns Jäger keine rechtliche Handhabe gebe, mit dem Wolf umzugehen, da der Wolf im Jagdrecht nicht als Tier aufgelistet ist.“ „Dies ist die Voraussetzung für die Jägerschaft, sich - wie mit allen anderen wildlebenden Tieren - auch mit dem Wolf zu beschäftigen.“, führte er sodann aus. Weiter räumte er ein, dass es den Jägern nicht darum gehe, den Wolf auszurotten, sondern die Population auf ein erträgliches Maß zu beschränken, um das Gefahrenpotential überschaubar zu halten. So, wie die Bundesregierung und manche Länder es wünschten, einen Bestand von tausenden Wölfen in Deutschland zu haben um die Bestandssicherung zu wahren, lehnt Erler ab. In keinem europäischen Staat sei die derzeitige Wolfspopulation annähernd so hoch wie es Deutschland beabsichtige.

Die ländliche Bevölkerung muss am Ende mit dieser Herausforderung umgehen können und nicht diejenigen, die in der Stadt leben. Erler mahnt daher an, den Wolf so zügig wie möglich ins Jagdrecht aufzunehmen. Bei „Problem-Wölfen“ könnte der Jagdbeirat sodann gemeinsam mit der Unteren
Jagdbehörde Entscheidungen zur Entnahme treffen. Darüber hinaus wurde mit den Nutztier- und insbesondere Weidetierhaltern und Schäfern über mögliche Probleme und Szenarien diskutiert. So wurde auch die Frage erörtert, wie denn möglicherweise der Kreis Informationen an die Beteiligten weitergeben kann, wenn durch das Wolfszentrum in Gießen Mitteilungen über das Vorkommen des Wolfes in unserer Region vorliegen, sodass sie ihre Tiere unmittelbar in Stallungen verbringen können, um ein mögliches Aufeinandertreffen vorzubeugen. Dies ist eine Präventiveinwirkung, die uns allen mehr Sicherheit geben kann, so Erler.

Auch wurde die rechtliche Frage beim Eindringen des Wolfes in die Gatterungen erörtert, wenn denn die Tiere aus Panik ihre Weide verlassen und einen Unfall verursachten. Wer den Schaden dann bezahlen wird, sollte bereits jetzt mit den Haftpflichtversicherungen der Tierhalter geklärt werden. Weitere Präventivmaßnahmen wie Weidezäune und Herdenschutzhunde könnten eine teilweise Risikominderung mit sich bringen, jedoch entstehen hieraus mögliche Folgeprobleme.

Armin Müller, Vorsitzender des hessischen Jagdgenossenschaftsverbandes, und Marco Hepp, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes, begrüßten ausdrücklich, dass im Rahmen des jagdpolitischen Gesprächs der Austausch mit allen beteiligten Akteuren gesucht wird, neben den Jägern, die Vertreter der Jagdgenossenschaften, der Politik, der Weide- und Nutztierhalter, genau so wie mit den Vertretern der Landwirtschaft.

Der Vorsitzende der CDU-Kreistagsfraktion Christian Wendel erläuterte den Anwesenden den Inhalt der Anfrage zu nächsten Kreistagssitzung:

„Uns geht es nicht um Alarmsignale, sondern um ein Präventions- und Informationskonzept. Wir greifen die berechtigten Sorgen mit Blick auf eventuelle Konflikte zwischen Mensch und Wolf auf, gleichzeitig gilt es Ruhe und Besonnenheit zu bewahren. Es geht um Aufmerksamkeit und Sensibilisierung und dabei spielt Kommunikation eine entscheidende Rolle. Wir wollen bei unserer Anfrage beispielsweise wissen, ob allen Beteiligten die entsprechenden Meldewege bei Wolfssichtungen bekannt sind, ob Betroffene wie Jäger, Nutztier- und Weidetierhalter bei Sichtungen rechtzeitig informiert werden, um präventive Maßnahmen ergreifen zu können.“

Abschließend stellte der Parlamentarische Geschäftsführer der CDU-Kreistagsfraktion und Landtagsabgeordnete Andreas Hofmeister fest:

„Der Wolf ist nach Hessen zurückgekehrt. Er ist über das EU-Artenschutzrecht besonders geschützt. Mit dem Erfolg des Naturschutzes gehen aber auch Herausforderungen einher. Gemeinsam muss der richtige Umgang im möglichst konfliktarmen Verhältnis zwischen Wolf, Mensch und Weidetieren gefunden werden. Gleichzeitig bedarf es der Voraussetzungen, um die Ausbreitung der Wölfe eng zu überwachen und auf mögliche Fehlentwicklungen schnell reagieren zu können. Nur so wird der Wolf, vor allem von Weidetierhaltern, die ihr Vieh geschützt haben wollen, wieder akzeptiert werden. In Hessen haben wir hierzu unter anderem mit umfassenden Entschädigungsregelungen und Förderangeboten für den Weidetierschutz bereits viel unternommen. Es bedarf einer realistischen und ideologiefreien Abstimmung, vor allem mit den Haltern von Schafen, Rindern und Pferden, damit ein solch großer Beutegreifer auch in der heutigen Zeit ein für alle Seiten zufriedenstellendes Comeback feiern kann. Wir wollen letztlich, dass auch in unserem Landkreis auf das Thema aufmerksam gemacht wird und wir lieber präventiv agieren und nicht erst im Nachgang hektisch nach Lösungen suchen müssen.“

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