CDU besichtigt MBS-Anlage Westerwald in Rennerod

Rennerod. „In unserem Hausmüll stecken Potentiale, die den Müll zu einem effektiven und wertvollen Rohstoff der Zukunft machen!“ Mit diesem Satz eröffnet Tobias Grän, der Sprecher des Arbeitskreises für Umweltangelegenheiten und Energieversorgung der CDU-Kreistagsfraktion Limburg-Weilburg das Gespräch der CDU-Kreistagsfraktion mit dem Geschäftsführer der MBS-Anlage Westerwald GmbH, Matthias Baldus.

Auf dem Gelände der MBS-Anlage (Mechanisch-Biologischen-Stabilisierungsanlage) in Rennerod, werden bereits jetzt bis zu 90.000 Tonnen Hausmüll, sprich das Entsorgungsgut der Grauen Tonne aus den beiden Kreisen Limburg-Weilburg und dem Westerwaldkreis (Rheinland-Pfalz) zerkleinert und hochwertig aufbereitet. CDU-Fraktionschef Christian Wendel zur Grundsatzentscheidung aus dem Jahr 2018: „Die Entscheidung des Westerwaldkreises und des Landkreises Limburg Weilburg, die MBS-Anlage Westerwald zu kommunalisieren und zu Anteilen von je 50% zum 1. Januar 2019 zu übernehmen, war zukunftsweisend und eine zur richtigen Zeit genutzte Chance. Mit Blick auf die Entwicklungen im Energiesektor und die aktuellen Herausforderungen der Energiegewinnung, die damals so noch nicht absehbar waren, erweist es sich heute als absolut richtige Weichenstellung, Restabfälle aus beiden Landkreisen vor Ort aufzubereiten und diese als nutzbaren Rohstoff zu begreifen. Die Kooperation der beiden Landkreise ist ein gutes Beispiel, wie kommunale Player gemeinsam treffende Antworten auf dringende Fragen der Gegenwart geben können.“ Allein auf den Kreis Limburg-Weilburg, entfallen dabei rund 40.000 Tonnen Hausmüll.

Die mechanisch biologische Abfallaufbereitung erfolgt größtenteils vollautomatisch. Das zerkleinerte Abfallgemisch wird in Rotteboxen gefüllt und luftdicht verschlossen. Die beim Rotteprozess entstehende Wärme dient zur Trocknung des Restabfalls. Der gesamte Kreislauf verläuft ohne Zufuhr von externer Wärme. Gleichfalls werden die entstehenden Abwässer in der betriebseigenen Wasseraufbereitung aufbereitet. Das gereinigte Wasser dient zur Kühlung bei der biologischen Trocknung. Nach dem Rotteprozess ist das Abfallgemisch trocken und bietet damit optimale Voraussetzungen für eine maschinelle Aufbereitung. Am Ende einer technisch hoch modernisierten Entsorgungskette entsteht ein Brennstoff, das sogenannte Trockenstabilat. Der Brennstoff steht nach Kundenwunsch in verschiedenen Körnungen zur Verfügung.

Um den Brennstoff weiter zu optimieren haben die beiden Landkreise weiter investiert. Bedingt durch die unterschiedliche Zusammensetzung des Restabfalls sollen aus dem Brennstoff chlorhaltige Bestandteile abgetrennt werden. Diese Aufgabe übernimmt demnächst ein vollautomatischer optischer Sortierer, ausgestattet mit modernster Nahinfrarottechnik. Zudem besteht die Möglichkeit Kunststoffe auszusortieren.

Auch der Aschegehalt der erzeugten Brennstoffe ist nach Kundenwunsch einstellbar. . Des Weiteren bietet die neu gestaltete Verladung mehr Flexibilität im täglichen Betriebsablauf, erläutert Geschäftsführer Baldus.

Investiert wurde in jüngerer Zeit aber auch in die Sicherheit der Anlage. Somit wurde der Löschwasserbevorratung in eine unterirdische Zisterne verlegt und durch eine klug durchdachte, asphaltierte Umfahrung lassen sich sämtliche Bereiche der Anlage schnell und zielsicher mittels Löschfahrzeuge erreichen.

Auf eine Frage des Landtagsabgeordneten Andreas Hofmeister hin, bestätigt Baldus einen wichtigen Trend: „Natürlich ist unser Stabilat ein gesuchter Brennstoff“, so Baldus. Das Trockenstabilat dient hier als Ersatz von Primärenergieträgern wie Gas, Kohle oder Öl und vor dem Hintergrund steigender Energiepreise wird sich dieser Brennstoff als zukünftiger Energieträger immer mehr durchsetzen. Aktuell wir das hergestellte Trockenstabilat in industriellen Kraftwerksanlagen zur Energiegewinnung genutzt. Auch in der Zementindustrie wird der Brennstoff eingesetzt, weiter aus. Andreas Hofmeister sieht sich bestätigt: „Solche Systeme wie hier in Rennerod sind wegweisend und müssen auch von der Politik weiter gefördert werden, denn damit,“ so Hofmeister, „schaffen wir es in diesem Bereich dauerhaft und nachhaltig Energie- und somit auch die Endpreise der Erzeugerprodukte zu senken!“ Baldus sieht noch weitere Ausbaupotentiale und verweist auf die Möglichkeit, zusätzlich noch in die Schwergutaufbereitung zu investieren: Somit könnte aus der abgetrennten Schwergutfraktion ein Recyclingbaustoff hergestellt werden, der wieder im Rahmen neuer Baumaßnahmen in der Region Verwendung findet. Damit, so Baldus, was die Nachhaltigkeit noch stärker unterstreichen würde, denn Abfall und vor allem Hausmüll ist ein wichtiger Rohstoff. Wenn dieser effektiv aufbereitet wird, werden Rohstoffe gewonnen. Diese können dem Wirtschaftskreislauf wieder zugeführt werden, was natürliche Ressourcen schont.

Landrat Michael Köberle (CDU) sowie der Erste Kreisbeigeordnete Jörg Sauer (SPD) sind sich einig, in dem sie den Blick gemeinsam in die Zukunft werfen: „Unter dem Eindruck der Energiewende werden Brennstoffe aktuell und künftig noch stärker gesucht, um zukunftsorientierte Lösungen bewirken zu können.“ „Wenn im Jahr 2029 die Abnahmeverträge auslaufen müssen wir klug agieren, in dem wir die Endprodukte von immerhin 40 bis 50 tausend Tonnen aus dieser Anlage für die beiden Landkreise selbst nutzen und damit die Szenarien zu unseren Gunsten bestimmen!“ so Köberle weiter. Sauer sieht vor allem das Verfahren der Dekarbonisierung als Teil der Lösung: „Durch Dekarbonisierung erhalten wir Abbauprodukte, für deren Entsorgung wir kein Geld mehr an den Abnehmer zahlen müssen, sondern im Gegenteil, bedingt durch den hohen Brennstoffgehalt, dafür sogar Geld erhalten werden!“

Foto: © Conny Schmitt

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